Von der Nachtschicht zum Taubenhaus

Wenn die Therme Zurzach um 22.00 Uhr ihre Türen schliesst und die letzten Gäste entspannt nach Hause gehen, beginnt für Bekri Uka der Arbeitstag. Während es im Thermalbad ruhig wird, erwacht gleichzeitig ein anderer Rhythmus – der der Nachtschicht.

Bekri Uka, Objektleiter in der Therme Zurzach, bei der Arbeit.

BEKRI UKA

Geboren und aufgewachsen im Kosovo, begann er seine berufliche Laufbahn zunächst mit einer Lehre als Autolackierer. Vor 16 Jahren kam Bekri in die Schweiz und fühlt sich seitdem hier zu Hause. Seit acht Jahren arbeitet er im Mandat Therme Zurzach, zunächst als Mitarbeiter, dann als Stellvertreter und heute als Objektleiter. Bekri schätzt besonders die Nachtarbeit, weil sie ihm die Flexibilität gibt, tagsüber für seine Familie da zu sein.

«Gegen 21.00 Uhr komme ich an und mache meinen ersten Kontrollgang», erzählt der 39-Jährige. «Dann trifft mein Team ein, wir besprechen, was ansteht und teilen uns auf. Jede:r weiss genau, was zu tun ist: von den Garderoben und Toiletten bis hin zu den neun verschiedenen Becken und 14 Saunen und Dampfbädern. Das Thermalbad ist ein vielseitiges und anspruchsvolles Objekt.» Und so verwundert es auch nicht, dass die Stunden bis zum Morgengrauen genau durchgetaktet sind: so wird z. B. um 23.00 Uhr das Wasser in den Becken abgelassen, bis 3.30 Uhr muss alles gereinigt sein – dann beginnt das Wiederauffüllen. «Da darf nichts schiefgehen», sagt Bekri. «Das heisst für uns alle: Vollgas geben bis zum Morgen.»

Reine Handarbeit statt Roboterhilfe

Automatisierung? Fehlanzeige. «Hier wird alles von Hand gereinigt», erklärt Bekri. «Besonders die Metallwände der Becken brauchen Sorgfalt und Erfahrung, da zählt echte Hand- und Teamarbeit.»

Bis 7.00, manchmal 8.00 Uhr morgens ist Bekri im Einsatz. Was es braucht, um nachts alles im Griff zu haben? «Organisation, Routine und Ruhe – aber auch Flexibilität», sagt er. «Wir sind seit Jahren ein eingespieltes Team.» Besonders schätzt er die Stille der Nacht: «Kein Trubel, keine Hektik, keine Menschen. Ich kann mich voll auf meine Arbeit konzentrieren. Und am Ende sehe ich, was ich geschafft habe. Das macht mich stolz.»

Bekri in seinem Taubenschlag – wo sich Arbeitstag und Ausgleich die Hand geben.

Chef im Büro, Teamplayer vor Ort

Seit acht Jahren sorgt Bekri in der Therme Zurzach für Sauberkeit. Ursprünglich bei gammaRenax angestellt, arbeitet er seit der Übernahme bei uns. «Am Anfang war der Wechsel nicht ganz einfach, aber ich hatte immer Unterstützung. Wir sind bei ISS wirklich gut organisiert, haben kurze Wege und es gibt immer jemanden, der dir hilft – Tag und Nacht.» Heute ist er Objektleiter und trägt die Verantwortung für ein 13-köpfiges Team. Doch Leadership bedeutet für ihn Nähe statt Distanz: «Ich bin im Büro der Chef. Wenn wir im Bad unterwegs sind, bin ich einer vom Team.»

Als Familienvater von drei Kindern kennt er die Sorgen und Herausforderungen seiner Mitarbeitenden. Mit vielen arbeitet er schon seit Jahren zusammen. «Wir sind wie eine Familie. Wenn jemand ein Problem hat, sei es ein krankes Kind oder eine schwierige Situation zu Hause, finden wir gemeinsam eine Lösung.» Neben der Fürsorge für sein Team hat Bekri auch das Budget und die Abläufe im Blick: «Ich überlege immer, wie wir Prozesse optimieren und Kosten sparen können. Ich denke wie ein Unternehmer im Unternehmen.» Sein Wunsch für die Zukunft? «Ich hoffe, dass alles so bleibt, wie es ist und dass ich bis zur Pensionierung bei ISS bleibe», sagt Bekri. «Ich fühle mich hier zu Hause.»

Bekris persönlicher Ausgleich

Wenn die Sonne aufgeht, ist für Bekri noch lange nicht Feierabend. Dann widmet er sich seiner zweiten Leidenschaft: den Tauben. «Meine Cousine hatte damals weisse Tauben und ich habe die Tiere schon als Kind geliebt», erzählt er. Mit 13 bekam er seine ersten vier Tauben, heute sind es rund 80.

Beim Schloss Bad Zurzach hat er sein eigenes Taubenhaus mit Voliere inklusive Sitzplatz gebaut, wo die Familie besonders im Sommer viel Zeit verbringt. Zwei Mal täglich, manchmal über mehrere Stunden, kümmert er sich um die sensiblen Tiere.

Was ihm die Tauben zurückgeben? «Sie sind das beste Anti-Stress-Mittel – wenn auch ein recht kostspieliges», sagt Bekri und lacht. «Aber sobald ich bei ihnen bin, vergesse ich alles: Arbeit, Alltag, einfach alles. Die Tiere kennen mich genau, reagieren auf jedes Wort und spüren sofort, ob man ein gutes Herz hat.» Er fügt hinzu: «Dieses Vertrauen ist etwas ganz Besonderes und schenkt mir Ruhe nach einer anspruchsvollen Nacht im Thermalbad.»

Wer Bekri hier in seinem Element erlebt, spürt sofort die entspannende Wirkung: «Nur eine Stunde mit den Tauben und der Stress ist weg», sagt er und lädt alle Kolleg:innen herzlich ein, ihn zu besuchen und sich selbst davon zu überzeugen.

 
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